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Verbreitungskarten für das Land Brandenburg


Stand des Projektes Herpetofauna XXL
Einflussnahme auf das räumliche Verhalten rastender
Kraniche

Ortswechsel eines Kranichs von einer Nahrungsfläche über den Vorsammelplatz zum Schlafplatz am 31.10.02

 

Management der Schlafplatz-Habitate
Nachfolgend wird vorrangig auf den im Rhin-Havelluch bedeutendsten und hinsichtlich des Konfliktpotenzials sensibelsten Rastplatz eingegangen. Wie bereits erläutert, sind die für den Kranichrastplatz entscheidenden Faktoren die Ruhe (keine Störungen) am Schlafplatz und ein ausreichendes Nahrungsangebot im Umfeld. Beides trifft für die Umgebung von Linum zu. So boten sich hier bereits vor etwa 100 Jahren in nicht mehr genutzten Torfstichen weite Flachwasserzonen an, die nach HESSE (1913) von gut 1.500 Kranichen als Schlafplatz genutzt wurden. Schon zu jener Zeit wechselten die Tiere tagsüber bevorzugt auf Nahrungsflächen in das landwirtschaftlich bereits erschlossene Havelländische Luch, das lediglich durch den Höhenzug des Ländchens Bellin vom Rhinluch getrennt ist. Ein typischer Ortswechsel eines Kranichs, von den Nahrungsflächen über den Vorsammelplatz hin zum Schlafplatz ist anhand von Telemetriedaten links dargestellt.

   

Überflutetes Grünland nördlich des Reglitzgrabens im Herbst
2002

 
 
Einhergehend mit der bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts einsetzenden und später erweiterten Umwandlung ehemaliger Torfstiche in Fischteiche (heute 220 ha) nutzten die Kraniche zunehmend das Teichgebiet Linum als Schlafplatz. Das herbstliche Ablassen der Teiche im Zuge der regulären Bewirtschaftung sorgte für mehr oder weniger große Flachwasserzonen, die die Tiere noch heute gerne aufsuchen.
Seit 1994 wird auf Vertragsnaturschutz-Basis (finanziert durch das Land Brandenburg) im nördlichen, für Besucher nicht unmittelbar erreichbaren Teil des Teichgebietes das Wasserregime hinsichtlich seiner Schlafplatzeignung optimiert. Mit den seither zur Saison des herbstlichen Vogelzuges flach angestauten Teichen hat sich die Kapazität der Schlafplatz-Habitate des Gebietes wesentlich erhöht. Die in den Folgejahren einsetzende starke Zunahme der im Raum Linum rastenden Kraniche ist sicher auch eine Reaktion auf die sich verbessernden Eigenschaften des Rastplatzes. Im Herbst 2000 hielten sich bis zu 25.900 Kraniche im Teichgebiet auf. Die Störungsempfindlichkeit der in den Teichen zur Hauptsaison bereits dicht stehenden Kraniche und die einsetzende Auslastung der verfügbaren Flächen waren Anlass, das Angebot geeigneter Schlafplatz-Habitate zu erweitern. Im Rahmen der intensiven Bestrebungen, den Landschaftswasserhaushalt im Oberen Rhinluch zu verbessern (s. o.), erschien die Vernässung bzw. temporäre Flutung geeigneter Grünland-Flächen in Nachbarschaft des Teichgebietes sinnvoll. Wichtigste Anforderungen an diese Fläche waren: landschaftsmorphologische Senkenlage und somit die Durchführbarkeit der Bewässerung sowie die abgeschiedene Lage im Kerngebiet (geringes Störungspotenzial). Auf den in Frage kommenden Flächen konnte erfreulicherweise der hier agierende Landwirtschaftsbetrieb für das Vorhaben gewonnen werden. Seit 2001 werden nunmehr mit Hilfe des Vertragsnaturschutzes etwa 200 ha Grünland vom Herbst bis zum Frühsommer vernässt.
   

In einer Grünblänke rastende Kraniche

  Schon kurzfristig zahlte sich diese Maßnahme aus. Fanden sich in den Vorjahren nach stärkeren Niederschlägen nur hin und wieder einzelne Trupps in temporären Blänken ein, so wurden die großflächig gefluteten Wiesen zur Hauptsaison von mehreren zehntausend Kranichen und darüber hinaus auch von Gänsen, Singschwänen und anderen Zugvögeln aufgesucht.
   

Verteilung der Kraniche in den Schlafplätzen vor und nach der Vernässung des Grünlands

 

Während beispielsweise in den Morgenstunden des 3.11.2000 etwa 12.000 Kraniche im Teichgebiet und nur 473 in einer kleineren Wiesenblänke gezählt wurden, hielten sich am Morgen des 20.10.2002 lediglich 900 Vögel im Teichgebiet und 11.620 in den überfluteten Wiesen auf (Zählungen nach Luftbildern).
Nach nunmehr 6 Jahren Grünlandvernässung hat sich der neue Schlafplatz etabliert, so dass in der Regel 60 bis 90 % der rastenden Kraniche heute im Grünland nächtigen. Vorteilhaft hierbei sind: die größere Kapazität des Rastplatzes insgesamt, die Möglichkeit des Wechsels der Schlafplätze bei Störungen und schließlich die geringere Individuendichte auf der Fläche.

   

Kraniche auf einer Nahrungsfläche, die als Ablenkfütterung dient. Der angrenzende Wassergraben wird zur Wasseraufnahme genutzt.

 

Management auf Nahrungsflächen
Die bedeutendsten Nahrungsflächen der Kraniche befinden sich auf den Äckern im nordöstlichen Havelländischen Luch und auf den Plateaus der umliegenden Grundmoränen. Vorzugsweise suchen die Kraniche ihre Nahrung auf Maisstoppelfeldern. Zum Ärgernis der Landwirte finden sich die Tiere insbesondere zum Ende der Zugsaison aber auch auf den Wintersaaten ein. Mit dem Ziel, die Schäden auf den Saaten zu verringern, wird vom Arbeitskreis Kranichmanagement Rhin-, Havelluch seit dem Herbst 2003 in Absprache mit den Landwirten eine Ablenkfütterung (Körnermais) betrieben.
In den sensiblen Phasen des Aufgehens der Wintersaaten wird die kontinuierlich mit Mais versorgte Fläche von tausenden Kranichen aufgesucht. Gleichzeitig werden Kraniche und Gänse von den frisch eingedrillten Wintersaaten vertrieben. Diese Vorgehensweise hat sich inzwischen bewährt. Sie begrenzt nicht nur die Verluste auf Agrarflächen, sondern fördert zugleich den Dialog zwischen Landwirten und Naturschützern.

   


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